Auch wenn Wellensittiche gesund und munter wirken, können unsichtbare Mikroorganismen im Käfig Krankheiten verursachen. Zu den wichtigsten Erregern von Infektionskrankheiten bei Wellensittichen zählen Viren, Bakterien sowie Pilze und Hefen, die sich biologisch deutlich unterscheiden und daher auch unterschiedlich behandelt werden.
Unterschiede der Erreger
-
Viren gelten nicht als eigenständige Lebewesen. Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nur vermehren, indem sie Körperzellen des Vogels „kapern“. Antibiotika wirken gegen Viren nicht.
-
Bakterien sind eigenständige Einzeller mit Stoffwechsel und Vermehrungsfähigkeit. Viele sind harmlos oder nützlich, krankmachende Arten produzieren jedoch Giftstoffe. Sie lassen sich meist mit Antibiotika behandeln.
-
Pilze und Hefen sind ebenfalls lebende Organismen, biologisch komplexer als Bakterien. Sie treten häufig auf, wenn das Immunsystem geschwächt ist, und befallen oft Atemwege oder Schleimhäute. Die Behandlung ist meist langwierig.
Wichtige Krankheiten nach Erregertyp
-
Virale Erkrankungen:
-
PBFD: zerstört Federn und schwächt das Immunsystem.
-
Polyoma (Französische Mauser): besonders gefährlich für Jungvögel, führt zu Flugunfähigkeit.
-
Pacheco-Virus: hochakut und oft tödlich innerhalb kurzer Zeit.
-
-
Bakterielle Erkrankungen:
-
Psittakose: auch für Menschen ansteckend (Zoonose).
-
Salmonellose: verursacht schwere Magen-Darm- und Gelenkprobleme.
-
Staphylokokken/Streptokokken: führen zu lokalen Entzündungen, z. B. an Füßen oder Atemwegen.
-
-
Pilz- und Hefeerkrankungen:
-
Megabakterien (Macrorhabdus): eigentlich Hefepilze, verursachen Gewichtsverlust trotz Fresslust („Going-Light-Syndrom“).
-
Aspergillose: Schimmelpilz der Atemwege, begünstigt durch schlechte Luft oder kontaminiertes Futter.
-
Candida: Hefepilz der Schleimhäute, oft mit Belägen im Schnabel oder Kropf.
-
Gefährlichkeit der Erreger
-
Viren sind besonders tückisch, da es kaum direkte Medikamente gibt – meist kann nur das Immunsystem unterstützt werden.
-
Bakterien können schnell schwere Symptome verursachen, sind aber oft gut behandelbar, wenn frühzeitig ein Tierarzt aufgesucht wird.
-
Pilze entwickeln sich oft schleichend und werden spät erkannt, was die Therapie erschwert.
Entscheidend ist in allen Fällen der Zustand des Immunsystems des Vogels.
Bedeutung der „guten“ Bakterien
Im Darm der Wellensittiche lebt eine wichtige Darmflora, die:
-
bei der Verdauung hilft,
-
Vitamine produziert,
-
vor krankmachenden Keimen schützt.
Nach Antibiotikabehandlungen sollte diese Darmflora durch Probiotika wieder aufgebaut werden, da sonst neue Infektionen begünstigt werden.
Vorbeugung und Schutz
Wichtige Schutzmaßnahmen sind:
-
Hygiene (täglicher Wasserwechsel, saubere Näpfe),
-
gute Luftqualität (weniger Staub, ausreichende Frischluft),
-
aufmerksame Beobachtung, da Vögel Krankheiten lange verbergen (Warnzeichen: Plustern, Müdigkeit, veränderter Kot).
Fazit
Infektionskrankheiten lassen sich nicht vollständig vermeiden, aber mit Wissen über die Unterschiede zwischen Viren, Bakterien und Pilzen können Halter schneller und richtig reagieren. Der vogelkundige Tierarzt ist entscheidend für die genaue Diagnose und die passende Behandlung.
Möchtest du mehr über die spezifischen Krankheitsbilder erfahren? In unserer Kategorie „Vogelkrankheiten“ haben wir für dich detaillierte Steckbriefe zu Symptomen, Ursachen und Behandlungsverfolgen zusammengestellt – vom PBFD-Virus bis hin zu den tückischen Megabakterien.