Spannende Informationen zum Farbschlag des Blackface-Wellensittichs:
Wie entsteht ein Blackface?
Ein Blackface ist das Ergebnis einer spontanen genetischen Mutation. Historisch trat sie erstmals 1992 in den Niederlanden bei zwei blauen Wellensittichen auf.
- Biologisch: Normalerweise stoppt die Produktion des dunklen Farbstoffs (Melanin) im Gesicht des Wellensittichs, weshalb die "Maske" gelb oder weiß ist. Beim Blackface ist dieser Stopp-Mechanismus defekt. Die typische Wellenzeichnung zieht sich daher über das gesamte Gesicht bis zur Wachshaut.
Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein?
Damit ein Küken als Blackface schlüpft, müssen genetische Bedingungen erfüllt sein:
- Rezessive Vererbung: Das Gen für "Blackface" ist rezessiv (schwach). Das bedeutet, das Küken muss das Gen von beiden Elternteilen erben, um äußerlich ein Blackface zu sein.
- Trägertum: Hat der Vogel das Gen nur einmal (von einem Elternteil), sieht er ganz normal aus, trägt die Anlage aber unsichtbar in sich ("spalterbig").
Ist es eine Qualzucht?
Nein, der Farbschlag Blackface an sich gilt nicht als Qualzucht.
- Gesundheit: Die Mutation verursacht nach aktuellem Wissen keine Schmerzen, körperlichen Einschränkungen oder lebenswichtigen Defekte (anders als z. B. bei extremen Hauben-Züchtungen).
- Risiko Inzucht: Da der Farbschlag noch recht selten und begehrt ist, besteht – wie bei vielen neuen Rassen – die Gefahr, dass Züchter zu viel Inzucht betreiben, um die Farbe zu erhalten. Das kann die Vögel krankheitsanfällig machen. Das liegt aber an der Zuchtmethode, nicht an der Farbe selbst.
Woran du einen "Blackwing" im Vergleich zum "Blackface" genau erkennst
Du erkennst den Unterschied am besten, wenn du darauf achtest, wo die schwarze Farbe "zu viel" oder besonders intensiv ist: im Gesicht oder auf den Flügeln.
Hier ist der direkte Vergleich:
1. Blackface (Das "schwarze Gesicht")
- Hauptmerkmal: Die typische Wellenzeichnung hört nicht am Hinterkopf auf, sondern zieht sich über das gesamte Gesicht bis runter zum Schnabel.
- Die Maske: Normalerweise ist das Gesicht (die Maske) eines Wellensittichs rein gelb oder weiß. Beim Blackface ist es dunkel gestreift.
- Körperfarbe: Die restliche Körperfarbe ist in der Regel normal kräftig.
2. Blackwing (Der "schwarze Flügel")
- Hauptmerkmal: Hier liegt der Fokus auf dem Kontrast. Die Flügelzeichnung ist extrem dunkel (tiefschwarz), während die Körperfarbe deutlich aufgehellt ist.
- Das Gesicht: Das Gesicht sieht meist normal aus (saubere Maske ohne Wellen).
- Effekt: Der Vogel wirkt oft fast weiß oder gelb (durch die Aufhellung), hat aber knallharte, schwarze Flügelmuster. Das Schwarz wirkt hier "schwärzer" als bei normalen Wellensittichen.
Zusammengefasst
- Blackface = Streifen im Gesicht, wo keine sein sollten.
- Blackwing = Heller Körper, aber extrem dunkle Flügel.
Es gibt auch die Kombination aus beidem (oft "Double Black" genannt), dann ist der Vogel insgesamt sehr dunkel.
Sind diese Farbschläge schon Teil des offiziellen Standards für Wellensittichzuchtvarianten?
Der aktuelle Stand für Blackface und Blackwing ist wie folgt:
- International (WBO - World Budgerigar Organisation):
- Nein, weder "Blackface" noch "Blackwing" sind derzeit (Stand 2024/2025) in den offiziellen "WBO Colour Standards" als eigenständige, voll anerkannte Farbschläge gelistet. Die offiziellen Standards konzentrieren sich weiterhin auf die etablierten Varianten (Normal, Opalin, Spangle, Inos etc.).
- Es gibt jedoch Bestrebungen und Zuchtprogramme, diese Mutationen zu festigen. Sie werden auf Schauen oft in speziellen Klassen für "Neumutationen" oder "Noch nicht anerkannte Farben" ausgestellt, um sie den Richtern und der Öffentlichkeit zu präsentieren.
- In Deutschland (z.B. DSV, AZ):
- Auch hier sind sie noch keine offiziellen Standard-Farbschläge im Sinne einer eigenen Bewertungklasse mit festgelegten Punktzahlen im Hauptwettbewerb.
- Vereine wie die DSV (Deutsche Standard-Wellensittich-Züchter-Vereinigung) berichten aber aktiv über diese Mutationen, veröffentlichen erste Beschreibungen und Zuchtziele (wie in den Suchergebnissen zu sehen). Sie werden auf Ausstellungen gezeigt, aber eben noch nicht als "fertiger" Standard bewertet. Die Züchter arbeiten daran, die Merkmale zu vereinheitlichen (z.B. eine klare, durchgehende Gesichtszeichnung beim Blackface ohne Verlust der Körpergröße).
Zusammenfassend: Sie sind auf dem Weg zur Anerkennung, aber noch nicht "offiziell" im Standard angekommen. Sie gelten momentan als Neumutationen, die von engagierten Züchtern weiterentwickelt und auf Ausstellungen präsentiert werden, um eine zukünftige Aufnahme in den Standard zu erreichen.