Es ist ein Schauspiel unserer Zeit: Kaum hat der Mensch gelernt, bargeldlos zu zahlen, da zwingt ihn der Handel schon zur nächsten Disziplin – dem digitalen App-Ballett. Netto, Lidl, Rewe, dm – jedes Geschäft, das heute etwas auf sich hält, will nicht nur Waren verkaufen, sondern gleich zum Download der hauseigenen App bitten. Exklusive Coupons! Personalisierte Angebote! Und selbstverständlich das diskrete Sammeln jener Daten, die mehr über uns verraten als jedes Tagebuch in Schönschrift.
Klingt harmlos: ein kleiner Rabatt hier, ein paar Prozente dort – warum nicht?
Doch das System hat seine Tücken. Während die Händler fleißig Daten horten, jongliert der Kunde im wahrsten Sinne des Wortes. Wer an der Kasse schon einmal gleichzeitig seine Einkäufe verstaut, die Karte zückt und mit der anderen Hand sein Smartphone auf „Coupon-Aktivierung“ trimmt, weiß: Hier wachsen neue olympische Disziplinen.
Das Ergebnis ist vorhersehbar. Zwischen Scanner-Pieps und Kartenzahlung rutscht das Telefon aus der leicht verschwitzten Hand, segelt in Zeitlupe zu Boden – und landet mit einem tragischen Klack auf den Fliesen. Alles für fünf Prozent Rabatt auf gefrorene Knoblauchbaguettes.
Ironischerweise sind die eigentlichen Gewinner nicht Rewe oder dm. Es sind die Handywerkstätten, die sich vermutlich leise bedanken: für jeden Coupon ein gesprungenes Display.
Ich persönlich bleibe daher bei der guten alten Plastikkarte. Ein Griff ins Portemonnaie – kein Passwort, kein Absturz, nur ein schlichtes Piep am Scanner. In Zeiten des App-Wahnsinns fühlt sich das fast schon revolutionär an.
Antworten 4
Dieter01
Ich habe keine App von Supermärkten, da sie mir zu viele Daten sammeln. Außerdem finde ich den Hype, um das Punktesammeln steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Es ist für einige wohl unverzichtbar, mit anderen zu konkurrieren. Am Ende ist es nur eine Auslagerungsmöglichkeit für den Handel, um zu erfahren, was wir genau kaufen. Dadurch spart sich der Händler die Arbeit es selbst zu machen, da der Käufer ja mit dieser Methode ihm die Daten frei Haus liefert. Für einen lächerlichen Preis, allerdings, da schon sehr gerne viele darauf hereinfallen, macht uns blind für solche Machenschaften.

Flaeumchen
Wir zahlen weder mit Karte noch benutzen wir irgendwelche Apps oder Payback-Schrott. Nur Bares ist Wahres.
Schwester S.
Ja, da hast du Recht, dass die App-Nutzer in der Regel nicht immer bewusst darüber informiert werden, wie umfangreich die gesammelten Daten tatsächlich sind. Doch im Hintergrund werden diese Daten oft für Marketingzwecke genutzt. Und ich denke auch, dass diese App-Anbieter das klar kommunizieren, welche Daten sie genau erheben und wie sie genutzt werden.
Was die "Auslagerung der Arbeit" angeht, hast du auch recht. Die Händler ersparen es sich dadurch, teure Marktforschung zu betreiben oder eigene Systeme zur Kundenanalyse zu entwickeln. Das erledigt alles die Karte bzw. die App.
Schwester S.
Da sagst du was und ich hoffe, dass es noch lange so bleibt und es irgendwann nur noch digitale Bezahlmöglichkeiten gibt (damit wir noch gläserner werden).