🧠Denkstoff #8: Klimakampf mit Kleber – Heldentum oder hilflose Provokation?

Klimakampf mit Kleber – Heldentum oder hilflose Provokation?

Kunst beschmieren, Straßen blockieren – für das Klima?

Museen werden zur Bühne. Straßen zum Stillstand. Menschen bleiben im Stau stecken, Notärzte kommen zu spät – und irgendwo klebt wieder jemand seine Hand fest. Für viele ist das der Inbegriff von Radikalität. Für andere ist es ziviler Widerstand.

Die sogenannten „Klimakleber“ und radikale Aktivisten von Gruppen wie der „Letzten Generation“ (jetzt: "Neue Generation") sagen: Wir müssen stören, um gehört zu werden.

Aber ist das noch Protest – oder eher Selbstinszenierung auf Kosten derer, die nichts ändern können?

Die richtige Botschaft – aber das falsche Mittel?

Inhaltlich ist klar:

🌍 Das Klima braucht Schutz.

🔥 Die Erderhitzung schreitet voran.

⏳ Die Zeit wird knapp.

Aber: Wenn die Menschen, die überzeugt werden sollen, sich stattdessen abwenden – was ist dann gewonnen?

Wer sich auf Straßen klebt oder berühmte Gemälde mit Suppe bewirft (selbst wenn sie geschützt sind), spaltet statt zu verbinden.

Die zentrale Frage lautet:

Erreicht man mehr Aufmerksamkeit – oder mehr Ablehnung?

Emotion vor Logik?

Viele Aktivisten sagen: „Wir haben alles andere versucht. Keiner hört uns.“

Das mag stimmen. Aber wie sinnvoll ist es, ausgerechnet diejenigen zu blockieren, die selbst nichts an den Machtverhältnissen ändern können?

Wer im Feierabendverkehr im Auto sitzt, ist nicht automatisch ein Klimafeind. Wer ein Museum besucht, ist nicht gegen Klimaschutz. Und wer genervt X/ ist, weil sein Alltag gestört wird, denkt wahrscheinlich nicht plötzlich: „Stimmt, ich sollte die Politik zum Handeln drängen.“

Im Gegenteil:

🧠 Menschen, die sich angegriffen fühlen, verschließen sich.

💥 Reaktanz ist psychologisch stärker als Zustimmung.

Ziel erreicht – aber welches eigentlich?

Was bleibt nach einer Aktion?

  • Ein Shitstorm.
  • Eine gespaltene Öffentlichkeit.
  • Schlagzeilen, die sich um Protestformen drehen – nicht um den Inhalt.

Die Bewegung sagt: „Es geht darum, nicht übersehen zu werden.“

Aber am Ende redet man über Farbe, Kleber und Polizei – nicht über Kipppunkte, CO₂-Ausstoß oder Klimapolitik.

Ziviler Ungehorsam – legitim, aber auch klug?

Ziviler Ungehorsam hat eine lange Geschichte. Martin Luther King, Gandhi, Rosa Parks – sie alle haben Regeln gebrochen, um Gerechtigkeit zu fordern.

Aber sie hatten ein Ziel, das eine breite Mehrheit irgendwann mittragen konnte.

Im Fall der Klimaaktionen spaltet sich selbst die Sympathie für den Zweck, weil der Weg dahin als undemokratisch, rücksichtslos oder elitär empfunden wird.

Das Ziel mag edel sein – aber der Weg wirkt auf viele eher wie ein Kampf gegen die Gesellschaft, nicht für sie.

Was bleibt also zu tun?

Es braucht Klimaaktivismus. Dringend.

Aber: Aktivismus muss verbindend wirken, nicht abstoßend.

Er muss Druck auf die Politik machen, nicht auf Pendler im Stau.

Er muss mit klarem Kopf und offenem Herzen handeln – nicht aus Frust und Provokation.

Zum Nachdenken:

Wenn Menschen sich abwenden, statt zuzuhören – ist dann wirklich das System das Problem? Oder vielleicht auch die Art, wie man es herausfordert?