Museen werden zur Bühne. Straßen zum Stillstand.
Menschen bleiben im Stau stecken, Notärzte kommen zu spät – und
irgendwo klebt wieder jemand seine Hand fest. Für viele ist das der
Inbegriff von Radikalität. Für andere ist es ziviler Widerstand.
Die sogenannten „Klimakleber“ und radikale
Aktivisten von Gruppen wie der „Letzten Generation“ (jetzt: "Neue
Generation") sagen: Wir müssen stören, um gehört zu
werden.
Aber ist das noch Protest – oder eher
Selbstinszenierung auf Kosten derer, die nichts ändern können?
Inhaltlich ist klar:
🌍 Das Klima
braucht Schutz.
🔥 Die Erderhitzung schreitet
voran.
⏳ Die Zeit wird knapp.
Aber: Wenn die Menschen, die überzeugt werden
sollen, sich stattdessen abwenden – was ist dann
gewonnen?
Wer sich auf Straßen klebt oder berühmte
Gemälde mit Suppe bewirft (selbst wenn sie geschützt sind), spaltet
statt zu verbinden.
Die zentrale Frage lautet:
Erreicht
man mehr Aufmerksamkeit – oder mehr Ablehnung?
Viele Aktivisten sagen: „Wir haben alles
andere versucht. Keiner hört uns.“
Das mag stimmen. Aber
wie sinnvoll ist es, ausgerechnet diejenigen zu blockieren, die
selbst nichts an den Machtverhältnissen ändern können?
Wer im Feierabendverkehr im Auto sitzt, ist nicht
automatisch ein Klimafeind. Wer ein Museum besucht, ist nicht gegen
Klimaschutz. Und wer genervt
ist, weil sein Alltag gestört wird,
denkt wahrscheinlich nicht plötzlich: „Stimmt,
ich sollte die Politik zum Handeln drängen.“
Im Gegenteil:
🧠 Menschen, die sich
angegriffen fühlen, verschließen sich.
💥
Reaktanz ist psychologisch stärker als Zustimmung.
Was bleibt nach einer Aktion?
- Ein Shitstorm.
- Eine gespaltene Öffentlichkeit.
- Schlagzeilen, die sich um Protestformen
drehen – nicht um den Inhalt.
Die Bewegung sagt: „Es geht darum, nicht
übersehen zu werden.“
Aber am Ende redet man über Farbe,
Kleber und Polizei – nicht über Kipppunkte, CO₂-Ausstoß
oder Klimapolitik.
Ziviler Ungehorsam hat eine lange Geschichte.
Martin Luther King, Gandhi, Rosa Parks – sie alle haben Regeln
gebrochen, um Gerechtigkeit zu fordern.
Aber sie hatten ein
Ziel, das eine breite Mehrheit irgendwann mittragen konnte.
Im Fall der Klimaaktionen spaltet sich selbst die
Sympathie für den Zweck, weil der Weg dahin als undemokratisch,
rücksichtslos oder elitär empfunden wird.
Das Ziel mag edel sein – aber der Weg
wirkt auf viele eher wie ein Kampf gegen die Gesellschaft, nicht für
sie.
Es braucht Klimaaktivismus. Dringend.
Aber:
Aktivismus muss verbindend wirken, nicht
abstoßend.
Er muss Druck auf die Politik machen,
nicht auf Pendler im Stau.
Er muss mit klarem Kopf und
offenem Herzen handeln – nicht aus Frust und Provokation.
Wenn Menschen sich abwenden, statt
zuzuhören – ist dann wirklich das System das Problem? Oder
vielleicht auch die Art, wie man es herausfordert?