Die Rache der Verpackungsindustrie

Verpackungen – oder: Warum ich bald eine Werkbank in der Küche brauche

Es gibt Dinge im Leben, da frage ich mich wirklich: Haben Verpackungsdesigner eine geheime Mission? Wollen sie uns erziehen? Härten? Oder einfach nur in den Wahnsinn treiben?

Ich meine – es muss doch irgendeinen Grund geben, warum es heutzutage leichter ist, einen Tresor zu knacken als eine Packung Gouda.


Fangen wir bei den Klassikern an: Käseverpackungen.

Diese kleinen Laschen, die angeblich zum „einfachen Öffnen“ gedacht sind. Ich habe sie bisher nicht ein einziges Mal gefunden, ohne vorher eine Lupe, ein Stirnlicht und die Geduld eines Zen-Mönchs bemüht zu haben. Und wenn man sie dann endlich entdeckt – irgendwo in der molekularen Struktur der Plastikfolie – stellt man fest: Sie ist so winzig, dass selbst ein ausgewachsener Gnom sagen würde: „Zu filigran, danke.“


Und nach drei Minuten konzentrierten Zupfens, Zerrens und philosophischen Nachdenkens darüber, wie weit man im Leben gekommen ist, steht man dann doch wieder mit dem Messer da und schneidet das Ding auf – quer, längs, egal, Hauptsache endlich Käse.


Dann das nächste Kapitel meiner persönlichen Verpackungs-Hölle: Dosenmilch für den Kaffee.

Wer diese kleinen Kännchen erfunden hat, den möchte ich mal kennenlernen – nicht lange, nur kurz, so zum Reden…

Diese scharfkantigen, mikroskopisch kleinen Laschen, die man angeblich hinunterdrücken muss, bis es „plopp“ macht.

Plopp!


Ja. Plopp macht da höchstens mein Daumen, wenn der Nagel aufgibt.


Mittlerweile nehme ich nicht mehr meinen Finger, denn ich möchte auch morgen noch tippen können. Ich nehme einen Hammer. Jawohl. Einen Hammer. Ein beherzter Schlag – plopp – und die Welt ist wieder in Ordnung.


Hätte mir jemand früher gesagt, dass ich irgendwann Werkzeug brauche, um mir Kaffee zu machen, ich hätte ihn ausgelacht. Heute lache ich nicht mehr. Heute baue ich Muskelmasse auf.


Weiter geht’s mit einer Spezies, die früher harmlos war: Süßigkeitentüten.

Früher konnte man oben einfach ziehen – zack! – offen.

Heute braucht man eine Schere.

Und nicht irgendeine – am besten eine aus dem Bereich „Industrielles Schneidwerkzeug“.


Diese Tüten sind inzwischen so reißfest, dass man sich fragt:

Ist das Verpackung – oder Versuchsmaterial für die nächste Raumfahrtmission?


Ich frage mich ernsthaft, ob irgendwann ein Archäologe in der Zukunft eine unserer Plastikverpackungen findet und denkt:

„Ah! Ein Rätselobjekt der frühen Postdigitalzeit. Vermutlich religiös genutzt. Öffnen ließ es sich offenbar nicht.“


Ich stelle mir manchmal die Teams vor, die diese Verpackungen entwickeln.

Leute mit weißen Kitteln, die um einen Konferenztisch sitzen und sagen:

„Wie können wir verhindern, dass der Kunde jemals wieder an seinen Käse kommt?“

Oder:

„Wie klein können wir die Lasche machen, bevor der Verbraucher das Vorhandensein eines Öffnungssystems bestreitet?“

Oder:

„Können wir die Süßigkeitentüte so gestalten, dass sie nur noch mit einer Kettensäge geöffnet werden kann? Nein? Dann weiter optimieren!“


Was denken die sich eigentlich?

Ist das ein geheimer Fitnessplan? Ein Test unserer Frustrationstoleranz? Oder wollen sie uns einfach daran hindern, zu viel zu essen, indem sie den Zugang erschweren? Wenn ja – Respekt.

Es funktioniert.


Denn eines ist sicher:

Wenn ich eines Tages in der Küche sitze, umgeben von Schraubenzieher, Hammer, Teppichmesser und Astschere, um eine Packung Käse zu öffnen, dann werde ich wissen:

Ich war ihnen nie gewachsen.

Und sie haben gewonnen.

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