Zwei Fahrten für die Umwelt!
Schwester S.
Es ist schon beeindruckend, mit welcher Inbrunst Supermärkte heutzutage auf Nachhaltigkeit machen. Jede Plastiktüte wird behandelt, als würde sie persönlich die Polkappen schmelzen. Jeder Keks bekommt ein grünes Blatt aufs Etikett geklebt, und man könnte meinen, beim Aldi-Einkauf wachse einem ein kleiner Öko-Heiligenschein direkt über dem Kopf.
Doch dann liegt er wieder im Briefkasten: der heilige Gral der Schnäppchenjagd – der Supermarktprospekt. 20 Seiten voller Verlockungen. Aber Achtung: Die Hälfte der Angebote gilt von Montag bis Mittwoch, der Rest von Donnerstag bis Samstag. Wer also den Kaffee für 4,99 Euro ergattern will, muss anders fahren als für die Äpfel zum halben Preis. Zwei Fahrten, bitte! Wochensplitting für Sparfüchse.
Zweimal Motor starten, zweimal durch die Stadt gondeln – und schon wächst die persönliche CO₂-Bilanz schneller als die Bio-Gurke im Gewächshaus von Nebenan.
Natürlich tun die Händler das nicht, weil sie böse sind. Nein, sie sind einfach geschäftlich begabt – oder wie man es heute nennt: nachhaltigkeitsstrategisch kreativ. Jeder zusätzliche Besuch erhöht die Chance auf einen Spontankauf. Wer für den billigen Kaffee extra losfährt, geht am Ende selten nur mit Kaffee nach Hause. Vielleicht noch Chips, Brot, eine Flasche Wein…
Schwupps: Der Supermarkt verdient doppelt, und wir bilden uns ein, gespart zu haben.
An der Tankstelle holt uns die Realität dann ein. Aber der Tankbon würde sich halt schwer in einem bunten Prospekt machen – „Super-Sparpreis! 10 Cent am Regal gespart, 8 Euro im Tank draufgezahlt.“ Das ist nicht ganz so fotogen.
Das Tragisch-Komische daran: Alles kommt im glänzenden Mantel der Nachhaltigkeit daher. Während die Kunden sich als kleine Klima-Held:innen fühlen sollen, betreiben die Händler ein Paradebeispiel für Greenwashing. Ein Blatt-Symbol hier, ein Öko-Slogan da, und schon fahren wir brav zweimal die Woche los – fürs Klima, versteht sich!
Die Moral der Geschichte?
Wer wirklich die Umwelt schonen will, lässt sich nicht von einem prospektgesteuerten Angebots-Marathon einfangen.
Der einzig wahre „klimaneutrale“ Einkauf ist der, bei dem man einmal die Kofferraumklappe schließt – und nicht zweimal die Woche sein Auto zum Angebots-Hopser schickt.
Und die Supermärkte? Die dürfen ihre „Wir tun alles fürs Klima“-Sprüche gern dahin packen, wo sie hingehören:
ins Regal für Märchenbücher.